Analysten und Pressevertreter staunten nicht schlecht über das, was Apple da gestern im California Theatre abfeierte. Nicht nur, dass das Unternehmen aus Cupertino das iPad mini vorstellte, auch andere Produktreihen erhielten wichtige und manchmal auch bahnbrechende Updates und Erneuerungen. Aber der Reihe nach.

Die Ruhe vor dem Sturm

Wie bereits bei den letzten Events kümmerte sich Apples CEO Tim Cook zunächst um die Investoren. Gutgelaunt warf er mit allerlei Zahlen um sich, darunter die Verkaufszahlen des iPhones. Unglaubliche 5 Millionen Einheiten konnten von Apples neuester Smartphone Generation bereits am ersten Wochenende nach dem Verkaufsstart umgesetzt werden. Für diesen bahnbrechenden Erfolg spendierte Apple den Anwesenden dann gleich mal ein Video. Star darin waren die vielen, wartenden Fans vor den Apple Retail Stores weltweit und ihre ersten Berührungen mit dem neuen iPhone 5. Natürlich durfte Cook die erst im letzten Monat veröffentlichten iPod Modelle nicht unerwähnt lassen. Obwohl sich die iPod Verkaufszahlen nachweislich in einem immer weiter zunehmenden Tief befinden, stellte der Apple CEO auch hier die „enorm guten“ Verkaufszahlen in den Fordergrund. Besonders stolz sei man bei Apple auf das neue Design des iPod Touch. Die Verkaufszahlen belaufen sich, bei der gesamten iPod Palette auf 3 Millionen Geräte. Für sich genommen ist das zwar immer noch ein enorm großer Absatz, jedoch wirkt das gegenüber den Zahlen des iPhone 5 geradezu verschwindend wenig, wenn man die iPods einzeln betrachtet.

Weitere Themen von Cook war die immer enger werdende Verzahnung von iOS und OS X. Er sprach dabei explizit vom iMessage Service, mit dem Nutzer bereits 300 Milliarden Nachrichten zwischen verschiedenen Apple Geräten verschickt hatten. Das macht beeindruckende 28.000 pro Sekunde. Eine wirklich beeindruckende Zahl.

Schließlich war der App Store dran. Tim sprach über die 275.000 iPad Apps und 35 Milliarden Downloads aus dem App Store. Die Auszahlungen an die Entwickler betrugen satte 6,5 Milliarden US-Dollar.

Abschließend kündigte Cook noch die neue Version iBooks und iBook Author an, dann war auch schon der Mac an der Reihe. Der Apple CEO präsentierte Zahlen, die dem Mac den ersten Platz in den Verkaufszahlen der Desktop Rechner in den USA bescheinigten.

Kurz danach war auch schon Phil Schiller an der Reihe.

Der kleine Bruder rückt nach – das 13“ MacBook Pro mit Retina Display

Dieser sprach zunächst, wie sollte es auch anders sein, über das 15“ Retina MacBook Pro. Dazu rezitierte er einschlägige Blogs und Magazine, die das Apple Notebook in den Himmel lobten.

Schnell kam er dann auf das 13“ MacBook Pro, welches das beliebteste Apple Produkt darstellt. Auch dieser Rechner sollte jetzt sein verdientes Update erhalten und präsentiert sich ab Sofort in einem stark erschlankten Gehäuse. Auf den ersten Blick sah das MacBook aus, wie ein eingelaufenes 15 Zoll Modell und auch die exakt gleichen Ports ließen diesen Eindruck nicht verschwinden. 2560×1600 Pixel bringt das Retina Display auf dem „kleinen“ MacBook Pro auf die Waage und macht das neue MacBook Pro nun zum (zweit-)hochauflösendsten Notebook auf dem Markt.

Wieder, wie schon bei der Präsentation des 15 Zoll Modells wurde der Vergleich mit dem HDTV herangezogen, um aufzuzeigen, wie viel mehr Pixel der Käufer hier bekommt. Alles in Allem war das 13 Zoll MacBook Pro genau das, was alle bereits erwartet hatten, allerdings mit einem einzigen Makel. Die 13“ Variante muss leider ohne eine spezielle Grafiklösung auskommen und verlässt sich im Betrieb lediglich auf die integrierte Intel GPU. Dabei handelt es sich um die Intel HD 4000. Der Preis ist ebenfalls wie erwartet aus gefallen: die Standardkonfiguration mit Intel i5 Prozessor, 8GB RAM und einer 128GB SSD Festplatte kostet $1699. Dank des mittlerweile eher ungünstig werdenden Wechselkurs schlägt das neue 13“ Retina MacBook Pro bei uns mit 1749€ zu Buche. Ein Hunderter weniger hätten da echte Wunder bewirkt.

Kleines Kraftpaket

Als nächstes widmete sich Phil dem kleinsten in der Mac Familie, dem Mac Mini. Der beliebte Media Center und Server Mac musste bereits viel zu lange auf ein Update warten und gestern war es endlich soweit. Das Design bleibt unverändert und auch das Interface der Anschlüsse bleibt weitgehend gleich, bis auch den Austausch der USB 2 Ports gegen welche der neuesten Generation. Es blieb also bei einem reinen Specbump des Mac Mini, der jetzt auch Intels neue Ivy Bridge Prozessoren verbaut hat und ab sofort mit bis zu 16GB Arbeitsspeicher ausgerüstet werden kann. Die Standardkonfiguration mit Intel i5 2,5GHz Prozessor, 4GB RAM und einer 500GB HDD kostet weiterhin 629€ und bleibt damit der günstigste und energieeffizienteste Mac in Apples Lineup. Auch hier wird die Intel HD 4000 Grafiklösung verbaut, was ein noch schlechteres Licht auf das neue Retina MacBook Pro 13“ wirft.

Apple zaubert eine Überraschung aus dem Hut

Nachdem sich nun alle innerlich bereit machten, nach der Ankündigung der neuen Mac Mini Modelle, endlich das neue iPad mini bestaunen zu dürfen, verblüffte Phil Schiller die Menge. Er sprach weiter von den Macs und von einem ganz besonders: dem iMac. Im Vorfeld zum Special Event gab es einige Gerüchte aus China, dass Apple neue iMac Modelle in Planung haben könnte, doch hatte niemand wirklich damit gerechnet, dass auf ausgerechnet dem Event, dass eigentlich ein neues iPad Modell als Thema haben sollte, auch neue iMacs präsentiert werden würden. Apple war allerdings anderer Meinung und so machte sich Phil Schiller fröhlich daran, über die Geschichte und den Werdegang des iMacs zu rezitieren. Er zeigte Bilder vom ersten iMac in Bondi Blue und führte aus, wie sehr sich doch das Design des Apple all in one Desktops gewandelt hat. Heute sei es also Zeit für einen weiteren Sprung in der Entwicklung des Designs. Ein hörbares Raunen ging durch die Menge der versammelten Pressevertreter, als Phil eine Folie aufrief, die einen extrem flachen iMac zeigte. Zugegeben, das Bild war sehr vorteilhaft gestaltet, da man für einige Sekunden wirklich das Gefühl hatte, als sehe man einen nur Millimeter dicken Computer. Als dann aber der neue iMac auf der Bühne enthüllt wurde, konnte man deutlich erkennen, dass immer noch eine große Delle auf der Rückseite zu sehen war. Aber mal ehrlich: wo sollte denn der Computer verbaut sein?

Die Kanten des neuen iMac sind nur noch 5mm dünn und sehen aus, als könne man damit Brot schneiden. Das Zauberwort heißt diesmal Friction stir welding, wobei eine genaue Erklärung seitens Apple zunächst ausblieb. Wie genau Apple diesen Formfaktor erreicht hatte, zeigte Phil kurz darauf. Das Display wurde drastisch dünner gestaltet und direkt mit dem Frontglas verbunden. Nachteil: Der Austausch von Teilen gestaltet sich dadurch vermutlich genau so schwer, wie beim iPad. Aber das werden die Jungs von iFixit in den kommenden Wochen sicher noch weiter vertiefen. Die enge Verbindung von Display und Glas hat aber noch weitere Vorteile. Bis zu 75% weniger Reflexionen sollen auf dem neuen iMac zu sehen sein.

Ausserdem bekommt der neue iMac eine FaceTime HD Kamera für 720p Videochats spendiert. Aufrüsten lässt sich Apples neues Desktop Flagschiff mit bis zu 32GB RAM und bis zu 768GB SSD Festplattenspeicher. Bei den Anschlüssen hat sich Apple ebenfalls nicht lumpen lassen und spendiert dem neuen iMac die komplette IO Palette: USB 3.0, Thunderbolt, ein SD Karten Slot und natürlich weiterhin ein Ethernet Anschluss. Also im Großen und Ganzen eigentlich keine besondere Überraschung. Beim Thema Speicherplatz wurde man allerdings hellhörig, als Phil Schiller plötzlich über die verschiedenen Anforderungen der Kunden sprach. Die Apple Nutzer lieben die Performance und Schnelligkeit der Flashbasierten SSD Festplatten, hätten aber lieber mehr Speicherplatz wie auf herkömmlichen HDDs. Natürlich hat sich Apple diesen Wunsch zu Herzen genommen und entwickelte ein eigenes Festplatten-Konzept, das den schönen Namen Fusion Drive trägt. Was ist Fusion Drive? Etwa eine der ungeliebten Hybrid-Lösungen aus SSD und HDD, die keine wirklichen Performace-Vorteile bringen? Nicht ganz, zumindest, wenn es nach Apple geht.

Fusion Drive setzt sich aus 128GB Flashspeicher und 1TB oder 3TB HDD Speicher zusammen. Beide werden zu einem einzigen, intelligenten Laufwerk verbunden, das besonders schnelle Lese- und Schreibraten mit sich bringen soll. Zusätzlich soll Fusion Drive vollkommen automatisch unter Mountain Lion funktionieren und keine separaten Einstellungen erfordern. Das System soll so intelligent arbeiten, dass es automatisch erkennt, welche Anwendungen am meisten genutzt werden. Diese werden dann automatisch im Flashspeicher des Macs abgelegt, um eine bestmögliche Performance zu garantieren. Programme, die weniger oft genutzt werden, erhalten ihren Platz bei den großen Datenmengen wie Musik, Bilder oder Filme auf der HDD Seite der Festplatte. Das Schaubild, welches Phil zeigte, lässt zwar vermuten, dass es sich um ein physisches Medium handelt, die Realität sieht allerdings etwas anders aus. Ein Blick in den inneren Teil des neuen iMac verrät auch den Trick dabei: Auf der Hauptplatine sind die Flashspeicher-Bausteine verbaut und eine HDD befindet sich separat an einem eigens dafür vorgesehenen Ort im Gehäuse. Die Verschaltung beider Speichermedien passiert auf der Software-Ebene.

Der Preis des iMacs kann sich sehen lassen. Trotz der vielen Verbesserungen und Neuerungen hat es Apple geschafft, den Preis für das Einstiegsgerät bei $1299 zu halten. In Deutschland bleibt es bei einem Preis von 1349€.

Die Katze ist aus dem Sack: das iPad mini

Noch bevor das Event sich dem eigentlichen Star des Abends widmete, präsentierte Apple noch schnell eine überarbeitete Version des Retina iPads. Ab sofort ist das iPad der vierten Generation, wie Apples Vorzeigetablet bedeutungsschwanger bezeichnet wurde, mit dem 4-kern A6X Chip ausgestattet, der die Performance des iPads auf das Doppelte anheben soll. Trotz des Leistungsanstiegs konnte man die Batterielaufzeit von 10 Stunden beibehalten. Natürlich durfte auch der neue Lightning Connector nicht fehlen.

Sofort stand natürlich die Frage im Raum: Warum hat Apple jetzt eine solche weitreichende Verbesserung des iPads durchgeführt? Warum hat man es nicht beim Upgrade auf den Lightning Connector belassen?

Eine Mögliche Antwort darauf ist, dass Apple sich etwas großes für den kommenden März 2013 vorgenommen hat. Vielleicht ein komplettes Redesign des iPads? Möglich ist alles. Der Preis des iPads (4. Generation) bleibt bei 499€.

Dann kam der Moment, auf den alle Anwesenden gewartet haben. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht präsentierte Phil Schiller der versammelten Presse den kleinen Bruder des iPads, das iPad mini. Das Design orientiert sich an dem des iPod Touch, die Front ist dominiert vom 7,9 Zoll Display. Hierbei handelt es sich um ein LCD Panel mit einer Auflösung von 1024×768, genau so wie beim iPad 2. Damit fehlt beim iPad mini das Retina Display. Auch die Seitenränder unterscheiden sich stark vom „großen“ iPad und sind sehr dünn, ähnlich wie beim iPod Touch und dem iPhone. Dadurch wirkt das iPad mini sehr kompakt, hat aber doch der Konkurrenz einiges an Bildschirmplatz voraus. Das iPad mini ist nur 7,2mm dünn und verschwindet deshalb hinter einem handelsüblichen Bleistift. Ausgeliefert wird es in den Farben Schwarz und Weiß, der Preis für das 16GB Wifi Modell beträgt 329€. Hier hätten wir uns vielleicht gewünscht, dass Apple die $299-Marke gehalten hätte. Aber man kann nicht alles haben.

Eigentlich erstaunlich, dass es sonst nichts vom so heiß erwarteten iPad mini zu berichten gibt. Vieles war bereits im Vorfeld bekannt und die Gerüchteküche hat nichts unversucht gelassen, um uns schon Wochen vor dem Event eine genaue Vorstellung davon zu vermitteln, was wir uns vom neuen iPad mini erwarten konnten. Ist das „kleine“ iPad jetzt das Must-Have des Winters?

Wir sagen: nein. Ohne Retina Display und mit einem Preis, der sich in den selbe Regionen wie ein iPod Touch mit 32GB Speicher bewegt, ist das iPad mini wohl nur ein Gerät für echte Apple Fans. Und außerdem bleibt eine Frage unbeantwortet: Warum kein Retina Display beim iPad mini? Besonders ärgerlich wäre es, wenn Apple das Retina Display im kommenden März nachschiebt und einen ähnlichen Stunt vollführt wie beim neuen iPad. Es ist in diesem Zusammenhang sogar denkbar, dass Apple das iPad mini auf die Schnelle veröffentlicht hat, um das Gerät noch im Weihnachtsgeschäft gegen die Konkurrenz der 7“ Tablets stellen zu können. Das alles bleibt natürlich reine Spekulation.

Viel begeisterter waren wir da schon vom eigentlichen Star des Abends, dem neuen iMac. Hier hat Apple gezeigt, dass eine stete Verbesserung des Designs sich letzten Endes auszahlt und einen Computer schafft, der Seinesgleichen sucht.

Wie habt ihr das Event erlebt? Habt ihr gebannt den Livestream verfolgt wie wir? Welches sind eure Top-Neuerungen des Events? Fragen über Fragen, wir sind schon gespannt auf eure Antworten!