Das war sie dann also gestern, die so lange und sehnsüchtig erwartete Apple iPhone 5 Keynote. Was gab‘s neues, was wurde präsentiert?

Hier ein Überblick für euch:

iPhone 5

Dieses Mal hatte das iPhone Event einen etwas schalen Beigeschmack. Verantwortlich dafür war der Umstand, dass Apples neues Smartphone eigentlich schon komplett bekannt war. Sei es nun das Design, die Displaygröße oder der neue Dock Connector, eigentlich jedes Bauteil des neuen iPhone ist in den letzten Monaten mindestens einmal durchs Netz gefleucht. Wo man sich nämlich im Juli noch über die neuesten Spoiler und Leaks gefreut hat, ärgert man sich im September darüber, dass Apple auf der Keynote nicht mehr überraschen kann. Und seien wir doch mal ehrlich: die große Neuerung beim iPhone 5 blieb eigentlich sogar aus. Dünner, flacher, leichter, mehr Prozessorpower und eine verbesserte Kamera, das kennt man eigentlich von den vorangegangenen iPhone Präsentationen. Es bleibt aber eigentlich alles beim Alten. Der Home Button ist immer noch da, wo er hingehört und von Weitem lässt sich das iPhone 5 nicht von seinen Vorgängern unterscheiden.

Selbst aus der Nähe fällt das so manchem ziemlich schwer:

Klar, LTE, der Heilsbringer für die mobile Kommunikation wurde nun endlich auch auf dem iPhone angekündigt. Leider ist LTE, oder Long Term Evolution, wie es bedeutungsschwanger, ausgeschrieben heißt, ist in Deutschland immer noch ein schlechter Witz. Mangelnde Verfügbarkeit und ein übertrieben hoher Preis werden LTE bei uns leider noch für Jahre eine Luxux-Spielerei für reiche Großstadt-Kids bleiben lassen. Da passt es eigentlich wie die Faust aufs Auge, dass LTE und Deutschland nur bei der Telekom verfügbar sein wird. Das hat nichts mit dem Feld (oder Geld) der Anbieter selbst zu tun, sondern einfach mit den zur Verfügung stehende Frequenzen. In Deuschland wird LTE mit 800, 1800 und 2600 MHz betrieben. Das iPhone kann davon aber nur das 1800 MHz Frequenzband bedienen und das gehört in Deutschland nunmal der Telekom. So einfach ist das. Das ist jetzt weder die Schuld von Apple, noch die von Vodafone, o2 oder anderer deutscher Anbieter, es ist lediglich ein unglücklicher und ganz dummer Zufall. Sich darüber aufzuregen, macht relativ wenig bis gar keinen Sinn, da wir, wie bereit erwähnt, ja nicht alle in München, Berlin und Frankfurt leben und mal im Ernst: was würden wir bei denen momentanen Datentarifen schon mit LTE anfangen wollen? Spätestens nach 3-4 Tagen wäre das Datenvolumen aufgebraucht und das neue, superschnelle LTE iPhone würde genau so durch die GPRS Netze kriechen wie das Prepaid-Handy aus dem Discounter um die Ecke.

iPods

Für mich war die Präsentation der neuen iPod Modelle um einiges Interessanter als das iPhone 5. Sicherlich, das ewige Hin und Her beim iPod Nano wirkt auch unfreiwillig komisch, aber wenigstens war über den neuesten Nano-Ableger noch nicht das geringste vom Vorfeld bekannt gewesen. Der neue iPod Nano verfügt jetzt über ein Multi-Touch Display, einen Home Button und ein scheinbar eigens Betriebssystem, welches iOS nicht ganz unähnlich ist. Bluetooth 4.0 und ein eigebauter Schrittzähler runden das Paket ab und machen den neuen Nano endlich mal wieder zu einem interessanten Media Player. Und das nicht nur, weil er sich als Armbanduhr verwenden lässt.

Der iPod Touch wurde auch einem kleinen Facelift unterzogen. Genau wie das neue iPhone 5 wurde auch der iPod Touch mit einem 4“ Display ausgestattet und verfügt jetzt neben einer neuen Kamera, besserer Konnektivität, Siri Unterstützung und einer Schlaufe für das Handgelenk (ganz stylish „iPod Touch loop“ genannt), über farbige Backcover. Apple scheint sich jetzt darauf versteift zu haben, den iPod Touch nicht mehr nur als Media Player zu vermarkten, sondern ihn auch Leuten schmackhaft zu machen, die auf der Suche nach einer neuen Point&Shoot Kamera sind. Die loop-Schlaufe verleiht dem iPod Touch den Anschein einer kleinen Kamera und man denkt erst im zweiten Moment daran, dass es sich dabei eigentlich um einen MP3 Player handelt. Apples Zielgruppe ist ganz klar die jüngere Fangemeinde, deren Eltern ihnen kein iPhone in die Hand drücken wollen. Nach wie vor kommt man mit dem iPod Touch aber in den Genuss aller Vorzüge eines iOS Gerätes, und das schon ab 319€ ($299 in den USA). Der Preis ist dem starken Dollar geschuldet. Oder dem schwachen Euro, das überlasse ich ganz eurer politischen Überzeugung.

iOS 6

Vieles, was Scott Forstall vom neuen iOS 6 zeigte, war schon seit der WWDC bekannt. Die neue Maps App ist immer noch beeindruckend, Siri machte fleißig Tischreservierungen und Passbook bleibt weiter uninteressant für den deutschen Markt. Neu waren hingegen die für das neue 4 Zoll Display des iPhone 5 optimierten Apps, die neue Safari Fullscreen Funktion und die neue, tiefe Facebook Integration in iOS 6. Siri ist jetzt sogar in der Lage, direkt ein Statusupdate zu posten.

Wichtigste Information aus der iOS 6 Demo: ab dem 19. September für die Öffentlichkeit Verfügbar.

iTunes

Viele, auch ich, haben im Vorfeld der Keynote gemutmaßt, dass mit der Ankündigung und dem Erscheinen des neuen iOS auch ein Update von iTunes auf dem Plan stehen wird. Und genau so ist es auch gekommen. Naja, fast.

Ganz entgegen der allgemeinen Erwartungen kommt die neue iTunes Version allerdings erst im Oktober. Das ist deswegen ungewöhnlich, weil bereits am 19. September, wie schon erwähnt, iOS 6 verfügbar sein wird. Alle nötigen Änderungen werden zu dem Zeitpunkt dann aller Wahrscheinlichkeit nach mit einem kleinen Update für die aktuelle iTunes Version vorgenommen werden müssen. Das ist, Apples sonst üblichen Perfektionismus zugrunde gelegt, doch etwas ungewöhnlich. Meine Theorie: iTunes wurde nicht rechtzeitig fertig. Das liegt möglicherweise an den grundlegenden Design-Änderungen, die der iTunes Store erfahren hat. Hier wurde nicht nur das Design geändert sondern auch das User Interface. Es ist nun möglich, sich als Käufer im Store zu bewegen und gleichzeitig Lieder in der Vorschau anzuhören. Ausserdem wurden Funktionen wie „Next up“ und ein neuer Mini Player hinzugefügt. Das Äußere des neuen iTunes erinnerte leicht an das Microsoft Zune Player Interface, aber das sagt man wohl besser nicht zu laut. ;-)

Earpods

Mein persönliches Highlight der Veranstaltung waren die neuen Apple Kopfhörer. Ganze 3 Jahre hat man in Cupertino an den neuen „Earpods“ herumgewerkelt und jetzt scheinbar ein Wunderwerk der Kopfhörer-Kunst erschaffen. Mehrere verbaute Lautsprecher und ein ausgeklügeltes System für den Luftstrom innerhalb der neuen Kopfhörer sollen ein nie da gewesenes Klangerlebnis für den Nutzer erzeugen. Dazu hat Apple in mühevoller Kleinarbeit unzählige Ohren und deren Form gescannt und so einen Kopfhörer geformt, der in die meisten Ohren perfekt passen soll. Die neuen Earpods werden mit allen neuen iPod Modellen und dem iPhone 5 mitgeliefert und können auch separat im Apple Store für 29€ gekauft werden.

Foo Fighters

Die spielten Akkustik-Versionen von 3 ihrer Hits. Ein schöner Abschluss.

Was haltet ihr zurückblickend von der Veranstaltung? Wurdet ihr enttäuscht, wart ihr begeistert? Lasst es uns wissen, wir sind schon schwer gespannt!